9. intern. P-Weg Marathon

Eigentlich stand der Lauf ja garnicht auf dem Plan – und vorbereitet war ich auch nicht.

 

Aber irgendwie hatte der P-Weg mich angefixt und ich war im Glauben nach den 56 km „Rund um Ennepetal“ drei Wochen vorher den auch noch mitnehmen zu können.

Ich hatte schlicht Bock auf einen schönen, langen Lauf. Der Ansatz sich nicht wahnsinnigerweise auf die 74 km zu stürzen (ja, ich habe tatsächlich daran gedacht), sondern es bei der Marathondistanz zu belassen und das ganze nicht auf eine bestimmte Zeit zu laufen, sondern für ein geiles Lauferlebnis, war eine gute Wahl.

Trotzdem wäre ich fast nicht gestartet – was daran lag, dass ich der Meinung war Sonntags wird gelaufen und die MTB´ler fahren am Samstag. Aber dank einem Post bei Facebook von Andrea von den Zee Aylienz bemerkte ich den Irrtum rechtzeitig.

Und eine zweite Panne passierte mir auch noch: kurz vorm Urlaub habe ich mich für den P-Weg und den Röntgenlauf angemeldet – die Röntgenloiper buchen ab, in meinem Kopf die Plettenberger auch… – den Fehler bemerkte ich dann Anfang September aber auch dieses Problem liess sich mit zwei Mails und dank der Organisatoren wieder gerade biegen.

Und so stieg ich am Samstag morgen um 07:00 Uhr mit großer Sporttatsche ins Auto und startete gen Plettenberg, mit den Gedanken bei den Kollegen Marcel und Kai die um diese Zeit bereits auf die Ultradistanz starteten. In Plettenberg war gegen 8 noch alles ruhig und der Parkplatz vorm Rathaus war vielleicht grad zur Hälfte gefüllt.

Selten, dass ein Lauf so unaufgeregt startet, alle und alles war vollkommen entspannt. Keine Hektik, nirgendwo (Sauerländer halt). Und auch bei mir nicht, die Startunterlagen hatte ich am Abend vorher schon abgeholt, da ich noch mit Scherereien wegen der verspäteten Überweisung rechnete, dies aber nicht gab.

08:25 – five minutes to go. Und ich überlege mir spontan, dass sich die linke Socke am kleinen Zeh irgendwie doch komisch anfühlt. Also ging ich nochmal zum Auto und wechselte die Socken – und die Schuhe gleich mit. Die Idee war, das die neueren Ghost auf der langen Distanz eine etwas bessere Dämpfung bieten als die Adrenaline GTX, die bereits 900 Km runter haben. Marathon erprobt sind beide Schuhe, aber im nachhinein wären wegen des Dauerregens die Adrenaline mit ihrer Goretex-Membrane vielleicht doch etwas angenehmer gewesen. Aber auch so hatte ich keine Probleme.

08:30 Uhr: der Moderator ist in Erzähllaune und muss um 08:33 Uhr freundlich darauf hingewiesen werden, dass die im Regen stehende Läufer doch gern los möchten. 😉 Der Tross startet und wer das Lennetal kennt, weiss dass es rechts und links vom Ufer immer nach ein paar Meter bergauf geht. So auch hier. Ein paar Meter durch die Innenstadt und -zack- bergauf. In langsamen Trab gehts steil hinauf, teils wird direkt schon gegangen.

Bergziege
Bergziege

Nach knapp zwei Kilometern signalisiert die große Bergziege das Ende der ersten Steigung. Bis Kilometer 6 gehts nun bergab, um dann wieder 4,5 km bergauf zu gehen. An diesem Berg holt mich ein Duo ein, an dem ich kurz zuvor vorbeigerollt war. Der eine erklärt dem anderen gerade den Streckenverlauf und die Position der Verpflegungspunkte – und ich lausche interessiert. Wir kommen ins Gespräch und weil das Tempo passt, werden wir auch bis ins Ziel gemeinsam laufen.

Michael, Jürgen & ich - oder die drei auf dem Weg zur nächsten Tankstelle...
Michael, Jürgen & ich – oder die drei auf dem Weg zur nächsten Tankstelle…

 

mein Lennetal...
mein Lennetal…

Nach fünf leicht profilierten Kilometern gehts gute drei Kilometer strack runter und wir sind ab Kilometer 18 wieder im Lennetal. Wir laufen über das Gelände eines Altenheimes, wo wir von den Damen angefeuert werden und kurz darauf über den Hof eines Gymnasiums. Hier wummert die Musik und man begrüsst uns über Lautsprecher, während wir eine Art Steg passieren. Hier hat man sich sehr viel Mühe gegeben ein kleines Event einzubauen, aber leider sind an dieser Stelle zu dieser Zeit kaum Zuschauer.

Gymnasium Plettenberg
Gymnasium Plettenberg

 

Was man von der restlichen Strecke im übrigen überhaupt nicht sagen kann. Alle paar hundert Meter stehen kleine Grüppchen und machen Dampf – und das auf einer Strecke, die primär durch Wälder führt. Dazu kommen Versorgungsposten im Abstand von 5 km, wechselnd mit Getränken oder üppiger mit Obst, Kuchen und Schnittchen – an einem sogar mit Schnäppsken, den wir leider dankend ablehnen mussten. Und trotz des wirklich miesen Wetters harrte man überall extrem gut gelaunt aus. Als Läufer nimmt man Regen und Kälte nach 15 Minuten ja nicht mehr wahr, aber so enthusiastisch dort den ganzen Tag zu stehen, Hut ab und 1000 Dank!

Von 18 bis 25 gehts recht flach durchs Tal und dann kommt der letzte Berg. Während der Vorherige 300 HM auf 4 km hatte, machen wir hier die gleichen Höhenmeter verteilt auf 8 Kilometer. Auf der Spitze noch einmal Verpflegung und dann hiess es „Lass rollen!“ – was mir nur bedingt gelang, weil mich bergab plötzlich fiese Seitenstiche plagten (wo ich doch gerade froh war, dass das Knie nicht mehr meckerte).

Aber im Vergleich zu dem Kollegen, dem wir auf einem schmalen Trail bergab überholten, konnte ich mich nicht beschweren. Nach dem langen Ritt bergauf streikte bei ihm bergab nun die gesamte Beinmuskulatur. Die Beine so stocksteif, dass er keinen Schritt mehr tun konnte und wir vom nächsten VP die Sanitäter den Pfad hinauf schicken mussten.

Auf den letzten 2-3 Kilometern fingen aber auch bei jedem von uns die Muskeln an zu zwicken. Während es meine beiden Gefährten primär in die Oberschenkeln kniff, limitierten mich heute die Waden. Schade eigentlich. Energietechnisch hätte ich gerne auf dem letzten Kilometern nochmal richtig Gas gegeben, aber beide Waden gaben mir zu verstehen, dass sie keine Kapriolen dulden würden – und so begnügte ich mich mit einem entspannten Zieleinlauf. Abgesehen davon hatten die beiden Jungs zuvor, als mich Seitenstiche plagten oder mein Knie zwickte, das Tempo rausgenommen und die Losung „Wir laufen das gemeinsam zu ende.“ ausgegeben. Insofern liefen wir auch den letzten Kilometer ins Ziel ganz smooth, um nicht mit einem Krampf ins Ziel humpeln zu müssen.

die letzten Meter...
die letzten Meter…

Im Ziel lief jeder quasi über eine Bühne und wurde von dem Moderator angesagt und mit Handschlag begrüsst und beglückwünscht. Nette Sache!

Danach gabs bleifreies Bier, Kuchen, Shirts und Medaillen. Wir schnackten noch ein wenig und dann machte ich mich auf dem Weg zum Auto, um mir ein was trockenes überzuziehen und nach der Dusche zu suchen. Im Gegensatz zu Läufen, die an Sportzentren starten, sind Läufe mit Start und Ziel in Innenstädten ja immer irgendwie etwas dezentraler organisiert. So auch hier. Entsprechend läuft man halt erst zum Parkplatz, um dann quer zurück durch die Stadt zu den Duschen zu laufen. Hier sass ich auch noch einem Irrtum auf, der Wegweiser „Sporthalle“ war für die, die am Wochenende dort übernachteten. Für die Dusche gab es eine extra Beschilderung, die einen zum städtischen Bauhof leitete, hier waren in einer Lkw-Garage ein paar Duschköpfe an die Wand genagelt und ein paar Bierzeltgarnituren aufgestellt worden. Etwas ungewöhnlich, aber das Wasser war heiss und ausser der „ungewöhnlichen Location“ gabs eigentlich nix zu meckern… – klar, man hörte Kritik über die Duschen und darüber, dass man einmal durch die Fuzo laufen musste, aber Hey! Wer gerade 42 Kilometer gelaufen ist, den sollten ein paar weitere gegangene Meter nicht kratzen.

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Alles in allem ein gut organisierter Lauf in den schönen Sauerländer Wäldern, mit vielen engagierten, enthusiastischen Helfern. Vielen Dank dafür!

Ich komme nächstes Jahr gerne wieder und dann vielleicht sogar über die ganze Distanz (die übrigens auch 2 Punkte für den UTMB gibt).

 

Achso, nur der Vollständigkeit halber, als unwichtige Ergänzung:

Für die 42,195 km habe ich unspektakuläre 4:12 gebraucht. Nach Platzierungen habe ich vor Ort garnicht geschaut. Ich habe geduscht, noch eine Bratwurst gegessen und bin dann heim gefahren. Erst als mir abends Kai zu der guten Platzierung gratulierte, musste ich doch gucken: 26. @ all, 25. Männer und 4. in der AK40 – da hätte ich nicht mit gerechnet (aber klar, viele der Schnelleren waren ja auch auf der Ultradistanz unterwegs 😉 )

 

Höhenprofil
Höhenprofil

 

pweg_karte

Und hier gibts noch die aufgezeichneten Daten zu dem Lauf.

Thomas

Ich bin begeisterter Läufer, bevorzugt auf langen Strecken in der Natur. Auf Lennetaler.de schreibe ich primär über diese Leidenschaft, aber auch über alles was mir draußen und sportlich sonst noch Spaß macht.

2 Gedanken zu „9. intern. P-Weg Marathon

  • 22. September 2013 um 17:24
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    Ist doch eine tolle Zeit für dieses Gelände. Glückwunsch zu diesem Finish und der schönen Platzierung.

    Eine schöne Beschreibung von der Strecke. Sieht nach einem interessanten Landschaftsmarathon aus.

    Antwort
  • 23. September 2013 um 16:25
    Permalink

    Danke! 😀
    Der Lauf war landschaftlich toll und organisatorisch einfach super – und ich mag dieses rauf und runter durch die Wälder einfach…

    Antwort

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