Bilstein Marathon #Ultra

Kleinalmerode. Schonmal gehört?

Oder Bilstein? Klar, hier in Südwestfalen. Entweder fragt man AUBI oder FeBi oder nach dem Bilstein bei Lennestadt… – Nix da.

Der Bilstein im Kaufunger Wald sowie Kleinalmerode liegen im Osten Hessens, kurz hinter Kassel.

Nachdem ich beim Petit Ballon Mitte März gekniffen habe, lockte mich Laufkollege Kai Urban Anfang April aber mit einer ähnlichen Distanz. 3 Wochen mehr Richtung Frühling und flacheres, deutsches Mittelgebirge statt Vogesen traute ich mir dann schon eher zu.

Und so klingelte dann am letzten Sonntag morgen um 04:30 Uhr bei mir der Wecker – manchmal ist man ja doch ganz schön bescheuert. Um 05:30 Uhr sammelte ich Kai ein und wir starteten gen Hessen, wo wir uns dann planmässig um 07:30 Uhr eintasteten – denn von der Autobahnabfahrt bis zu diesem netten 1000-Seelen-Örtchen war aufgrund des dichten Nebels nicht viel von der Umgebung zu erkennen.

Das Timing war aber perfekt, wir holten unsere Startunterlagen, zogen uns um und verbrachten noch ein paar Minuten im Bürgerhaus, vor dessen Tür auch pünktlich um halb neun der Start erfolgte.

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Maßgabe für dieses Rennen war einen entspannten Lauf zu gestalten, bei dem gutes Ankommen im Vordergrund stehen sollte und wir zeitlich einfach nur nicht die Deadline überschreiten wollten.

Nach „Rund-Um-Ennepetal“ im letzten August war dies erst mein zweiter Lauf jenseits der Marathonmarke. Von daher war es schon verdammt gut mit Kai einen erfahrenen Ultraläufer an meiner Seite zu haben, der mich auch gleich am Anfang zügelte.

Auf den folgenden 54 Kilometern liefen wir einen Landschaftslauf, wie er schöner wohl kaum sein kann. Beginnend mit nebligen 8-9°C lichtete sich dieser aber nach und nach und die Temperaturen stiegen auf sonnige 17-18°C, die aber dank des großen Waldanteiles extrem angenehm waren.

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Die Strecke führte uns größtenteils auf klassischen Spazierwegen durch den Kaufunger Wald und ein bisschen über Asphalt in den Kulturlandschaften. Der Weg wurde aber immer wieder durch schicke Traileinlagen aufgelockert. Es gab schöne Stiegen durch Felsformationen und immer wieder wurzelige Pfade die für Abwechslung sorgten. Insgesamt sammelten wir ca. 1.400 Höhenmeter und an den stärkeren Steigungen legten wir immer wieder (und immer öfter) Gehpausen ein um ein paar Körnchen aufzusparen.

IMG-20140407-WA0003Nach ca. 37 Km erreichten wir nach einem knackigen Anstieg den Gipfel des Bilstein mit 641 Metern Höhe. Hier oben gibt es einen Aussichtssturm, eine Schankwirtschaft und an diesem Sonntag eine Blaskapelle (die aber wohl nicht nur für uns spielte). Bei herrlichstem Sonnenschein und grandioser Aussicht kam uns spontan die Idee, uns hier einfach in die Stühle zu werfen, die Füsse hochzulegen und ein Weizen zu bestellen. Aber wir liefen weiter…

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Meine Beine wurden im Verlauf zwar schwerer und taten ein wenig weh, aber das beiseite geschoben lief es sich ganz wunderbar. Wie üblich zwickte mal hier was im Knie oder dort im Fussgelenk, aber nichts dauer- oder ernsthaftes. Bei meinen bisherigen Marathonläufen lief ich bislang spätestens im letzten Viertel an irgendwo an einer Krampfgrenze. Auch davon gab es dieses Mal keine Spur, was sicher zum einen am gemäßigten Tempo lag – möglicherweise waren es aber auch die Salztabletten.

Der gesamte Lauf, für Kai als ZUT-Training für mich als Test, ob ich den Rennsteig mit 42 oder ganz angehe verlief sehr entspannt und harmonisch. Angeregte, unterhaltsame Gespräche aber auch schweigendes Laufen einfach nebeneinander her für beides war Raum und beides ein Genuß.

Wenn es nicht so trocken ist, wie dieses Mal, gibt es sicher einige richtig schlammige Passagen und auch vor Schnee ist man in dieser Jahreszeit noch nicht gefeit – aber an diesem Tag herrschte wirklich das wunderprächtigste Frühlingswetter. Ein echter Seelenschmeichler.

Während überall in den Wäldern zartes Grün sprießte, sah man es durch die Bäume hindurch immer weiß im Tal schimmern. Auf den letzten Kilometern liefen wir aus einer Kulturlanschaft aus Weiden mit Kühen und Pferden und Obstwiesen. Herrschaften, was für Obstwiesen…

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Ich hielt sie zuerst für Apfelbäume, aber Kai klärte mich Unwissenden auf, dass wir uns im Kirschenland befanden – derzeit wohl im Kirschblütenland, Eine echte Bilderbuchfrühlingslandschaft. Hammer…

Nach 6 Stunden und 43 Minuten hatten wir die hügeligen 54 Kilometer hinter uns gebracht und schon auf der letzten Anhöhe meinte mein Kollege das Bier schon schmecken zu können. Und so liefen wir erwartungsvoll grinsend mit einem netten Empfang ins Ziel und liessen uns unsere Medaillen umhängen.

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Es folgte eine kurze Schrecksekunde, direkt vor uns wurde nämlich das letzte Weizen ausgegeben, aber die rührigen Kleinalmeroder organisierten im Handumdrehen noch zwei weitere Kisten, so dass wir alsbald höchst zufrieden im Zielbereich in der Sonne bei einem wohlverdienten alkoholfreien Weizen saßen (echtes wartete daheim im Kühlschrank).

Das Fazit. Wieder einer dieser kleinen, mit Herzblut und voller Liebe organisierten Landschaftsläufe. Tolle Leute, überall. Egal ob im Bürgerhaus, im Ziel, an den VP´s, die Läufer hütenden MTB’ler oder die Jungs von der freiwilligen Feuerwehr – alle waren begeistert bei der Sache und machten den Lauf zu einem besonderen Erlebnis. Dafür vielen, vielen Dank! Und den gleichen Dank natürlich an Kai Urban, der mich zu dem Lauf anstiftete und mit dem das Laufen ein großes Vergnügen war.

Gelaufen auf einem Brooks Cascadia, der wie gewohnt einen guten Job gemacht hat. Zum ersten Mal habe ich Salztabletten eingenommen, je eine auf der Hälfte und bei ca.3/4 der Strecke. Rein subjektiv haben sie mich vor den sonst gewohnten harten Muskeln bzw. Krampfansätzen bewahrt und gehören erstmal fest ins Repertoire. Die Verpflegung war so gut und ausführlich, dass die Gels im Gepäck unangetastet blieben. Statt des Laufrucksacks hätte es an diesem Tag auch der Trinkgürtel mit einer Flasche getan. (Theoretisch, wenn ich nicht immer versuchen würde mich gegen alle Eventualitäten zu wappnen)

Höhenprofil

 

 

Wer noch mehr von diesem schönen Lauf sehen oder weitere Eindrücke darüber lesen mag, dem seien die nachfolgenden Links empfohlen:

Sowie noch einige mehr direkt auf der Seite des Bilstein-Marathons

Thomas

Ich bin begeisterter Läufer, bevorzugt auf langen Strecken in der Natur. Auf Lennetaler.de schreibe ich primär über diese Leidenschaft, aber auch über alles was mir draußen und sportlich sonst noch Spaß macht.

2 Gedanken zu „Bilstein Marathon #Ultra

  • 4. November 2015 um 13:59
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    Ha!
    Das macht doch Lust auf den Lauf in 2016.
    Ich denke, ich brauche dann auch jemand, der mich ein wenig im Tempo drosselt – ist ja bei mir Premiere. Ich häng mich einfach bei dir dran, wenn ich darf. 😉

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    • 9. November 2015 um 22:39
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      Immer gerne!
      Und gerade beim BiMa tut man gut daran, am Anfang ein paar Körner zu sparen… 😉

      Antwort

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